Wandersegelflug: Statt Südfrankreich nach Mitteldeutschland

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Geplant war ein Bilderbuch Wandersegelflug am Himmelfahrtswochenende: vom Mittwoch, den 13. Mai bis Sonntag, den 17. Mai. Meinhard und ich hatten alles geplant. Wir wollten um 15:00 Uhr am Mittwoch loslegen und uns auf den Weg in die Provence machen. Wir dachten, bis Genf oder Chambery würden wir schon kommen.

Das Wetter war zwar mau gemeldet, aber gegen Nachmittag sollten einzelne Gewitter im Jura aufziehen, was auf Labilisierung hoffen ließ. Zudem waren die nächsten Tage in Freiburg sehr schlecht gemeldet: Der Abflug an diesem Nachmittag war unsere einzige Chance, um noch vor dem schlechten Wetter in den Süden zu kommen. Roland unser Schleppilot war schon da. Der Flieger war beladen und Meinhard und ich nahmen Platz in dem Janus und ließen uns die Fläche von Jennifer halten.

Vollgepackt mit allem drum und dran, Schafsack usw..... um 15:15 ging es dann los. Die Piper schleppte uns bis kurz vor den Belchen und wir fanden auch schnell den ersten Thermikbart, der dann aber auch genauso schnell wieder verpuffte, - was dann kam war der Albtraum. Auf dem Weg nach Süden war nur noch tote Luft. Nichts bewegte sich, unser Janus flog durch die Luft wie ein heißes Messer durch Butter. Kein Zucken, kein Ruckeln.  … und nun?

Von der erhofften Labilisierung keine Spur. Dann eine schnelle Entscheidung: Wir wollen nichts erzwingen:  Landung in Bremgarten. So schnell können Träume begraben werden.  Freundlicherweise half man uns von den Immelmännern und wir konnten den Janus in ihrer Halle parken, Das war sehr freundlich und auch wichtig für unseren Flieger:  abends hat es gehagelt ohne Ende. Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle, aber unser Janus stand solide und trocken in der Halle.  Nach dem Einräumen wurden wir netterweise sogar noch zur Bahnstation mitgenommen… Nach wenigen Stunden waren wir wieder daheim in Freiburg und nach kurzem Frustabbau mit Bier und Flammkuchen war jetzt war noch einmal erneut gründliches Wetterstudium angesagt:  Der Weg in die Alpen war für die nächsten Tage ganz schlecht vorhergesagt und auch in Baden-Württemberg sollte es die nächsten Tage sintflutartig regnen...

Wir beenden diesen Abend mit der geringen Hoffnung, dass wir am nächsten Tag mit einem langen Schlepp nach Norden irgendwie dieser Trübsal entfliehen könnten…

So haben wir es gern: das Flugzeug wird für uns geputzt! Ein großes Dankeschön an Jennifer unsere Putzfee, Taxifahrerin und Flächenhalterin in Freiburg

Als ich am Donnerstagmorgen aufwachte, traute ich meinen Ohren nicht. Der Regen prasselte auf unser Haus, alsob er deutlich zeigen wollte, dass man heute besser nicht fliegen gehen solle. Meinhard war aber unbeirrt und so brachte uns Jennifer nach Bremgarten, um einen erneuten Start zu probieren. Wie das funktionieren sollte war mir allerdings schleierhaft. Jochen Hodapp wollte uns mit einem UL schleppen. Immerhin hatte es aufgehört zu regnen, die Wolkendecke lag bei 700 m oder war sie tiefer? Gefühlt berührte sie den Boden. Sogar Jochen sagte, er wäre eben geflogen und es macht hinter Freiburg dicht. Aber er würde uns überall hin schleppen. Wir lieben Jochen! Wir zogen unseren Janus zur Startbahn in Bremgarten. Ich war nur mit den tiefhängenden Wolken beschäftigt und setzte mich brav und leise hinten in den Janus. Ich dachte, wir landen sowieso wieder in Freiburg. Toller Wandersegelflug.  Meinhard nahm vorne Platz.  Der Motor des UL heulte auf, der Janus setzte zum Sprung an und schon flogen wir.

Die gelbe Eurostar schien mir heute besonders gut in Form zu sein und sie schleppte uns mit 150 km/h unter die Wolken durch bis hinter Offenburg. Ich war über die Steigleistungen und Geschwindigkeit des Schlepps erstaunt und wollte gar nicht daran denken, wie lange wir geschleppt worden waren, 30 min oder 45 min. Die Wolken waren immer noch tief und gleich würden wir ja eh wieder in Freiburg landen. Aber Meinhard fuhr nach dem Ausklinken den Motor aus und sagte nur „…hinten am Horizont, da ist Sonne und Thermik“. Wunderbar dachte ich, jetzt kommt zu dem Megaschlepp noch eine Mega-Rattelei hinzu. So rattelten wir an der Hornusgrinde vorbei und dann kam auch schon Karlsruhe in Sicht und es wurde doch hier und da heller, man konnte im Dunst erahnen, dass es weiter voraus sonnige Abschnitte geben müsste. Dann machte es puff und die Wolken waren weg und die Sonne da und natürlich zusätzlich Thermik. Der Motor wurde eingefahren und so ging es langsam und mühsam ohne Motor weiter.

Die Rollen waren im Flugzeug jetzt schnell verteilt:  Die Funktion des Kommunikators und Navigators übernahm ich, Meinhard übernahm den Aviator, den Funkator und Thermik Rotator;  Allerdings haben wir unsere Rollen ganz nach Bedarf teammäßig gewechselt.

Unseren ersten Bart hatten wir nordöstlich hinter Karlsruhe, wo wider Erwarten noch mehrere Bärte auf uns warteten. Im Nacken hatten wir eine zähe Abschirmung, die uns hartnäckig und schnell verfolgte. Das Kraichtal oder auch Kriechtal durchquerten wir tief, hier durfte jeder mal pilotieren und so flogen wir nordwestlich an Sinsheim vorbei. Mittlerweile waren wir schon auf 1400 m, das war besonders hoch und konnten dies über Mossbach auf 1500m steigern. Als wir endlich westlich an Tauberbischofsheim vorbeiflogen, hatten wir eine stattliche Höhe von 1600 m. Mittlerweile war es Zeit für den bordeigenen Inflight Service, der mit Madelschnitte und Marzipan reichhaltig ausfiel und auf ausgesprochene Gegenliebe stieß. Getränke konnten in verschiedenen Variationen angeboten werden, Wasser mit Elektrolytzusatz mit Orangegeschmack oder Elektrylytzusatz und Wasser mit Orangengeschmack. Aufgrund des Feiertages waren Beschränkungs- und Gefahrengebiete oft nicht aktiv, die somit ein zügiges Weiterkommen unseres Luxusliners sicherstellten.

Der lange Weg nach Waldeck, puh. Mittlwerweile hatte die Abschirmung aufgeholt und wir befanden uns immer genau am Rand dieser Zone. Wir mussten immer damit rechnen, verschluckt zu werden. Hinter Bad Brückenau kam es zur Entscheidung, der derzeitige Navigator teilte dem Aviator mit, den Luftraum nordwestlich von Bad Hersfeld westlich zu umfliegen. Der Aviator entschied sich jedoch für die östliche Route. Wohin ging es jetzt eigentlich? Mittlerweile war uns das eigentliche Ziel bei der Flucht vor der Abschirmung aus den Augen verloren gegangen.

Die Abschirmung im Nacken...flogen wir was die Thermik und der Janus hergab. Welcher Flugplatz hat jetzt eine lange Bahn mit F-Schlepp und am kommenden Freitag offen. Sontra Dornberg oder Witzenhausen.

Sontra meldete nur Windenbetrieb, Witzenhausen meldete sich gar nicht und bei einem Überflug sah man zwar, dass es F-Schlepp geben würde, aber die Bahn war halt sehr kurz. Bei einer Landung hätte unser Ausflug hier womöglich ein unfreiwilliges Ende gefunden.  Und einen Funkkontakt konnten wir auch nicht herstellen. Wohin jetzt, die Optionen waren limitiert und mittlerweile erfasste uns die Abschirmung. Die Thermik wurde schwächer und Grifte Edermünd kam ins Ziel, meldete sich aber auch nicht über Funk. Der zuständige Navigator zögerte nicht lange und anstatt Funk nutzte er Handy mit Browser Technologie und rief die im Browser angezeigte Telefonnummer an, um zu erfahren, dass der Flugpaltz geschlossen sei und morgen kein Betrieb sein würde. Dem Aviator konnte daraufhin mitgeteilt werden, dass eine Landung den Weiterflug beenden würde. Wir waren nun ein eingespieltes Team mit wechselnden Rollen.

Mittlweile rückte nun Wildeck als mögliches Ziel in den Fokus genauso wie die Abschirmung uns in den Fokus nahm. Die Abschirmung hatte uns erreicht, aber ebenso war Wildeck über Funk erreichbar. Wildeck war aber noch 40 km weit weg, die Ankunftshöhe konnte vom Navigator präzise mit 600 m unter Grund berechnet werden. Der Motor musste herhalten, war aber noch genügend Sprit drin? Wir kauten unsere Fingernägel bis zum Ellenbogen ab, immer den Ausweichflugplatz Grifte im Blick. So rattelten wir weiter und alsbald konnte Entwarnung gegeben werden, bei einer Ankunftshöhe von 400 m über Platz wurde der Motor eingefahren.

Ein Putz- und Begrüßungskommando erwartete uns in Winddeck. Rolf, Joachim, Meinhard und Siggi erfreuten sich am gemeinschaftlichen Putzen des Janus. Man kümmerte sich rührend um uns und so durften wir im großen Partyzelt übernachten.  Während es Meinhard vorzog auf zusammengeschobenen Tischen luftig zu übernachten, zog ich es vor, auf den Boden der Tatsachen zu bleiben. Schnell war das Nachtlager errichtet, wir hatten ja auch wenig dabei und wurden spontan zu einem Lokal in Waldeck eingeladen, inkl. Hin- und Rückfahrt! Das war super nett und für uns war Waldeck das Fliegerparadies schlecht hin (http://flugschuleedersee.de). Traumhafte Lage und super freundlicher Support!


Während Meinhard noch ein bisschen länger schlief, machte ich mich daran den Janus morgens schon einmal abzuledern. Ein ausgiebiger Spaziergang nach Waldeck war notwendig, um zu einem Frühstück zu kommen, während dessen konnten unsere Schlafsäcke nochmals auslüften.

Nachdem wir vollgetankt, die Schafsäcke verstaut und uns fertiggemacht hatten, zogen wir den Janus hoch zum Start, um uns von einem UL schleppen zu lassen. Kurz vor dem Start machten wir noch ein kleines Abschiedsfoto von unserem schönen Aufenthalt in Waldeck.

Gegen 12:30 Uhr starteten wir im F-Schlepp mit einer Vampire (UL) . Wir starteten mit 650 kg MTOW und  die ‚Vampire‘ zog uns hoch wie nichts, ruckzuck waren wir in der Luft und stiegen locker mit 2 m/s. Dann war auch schon die Thermik da und auf ging‘s in Richtung Dresden. Unser Ziel war erst einmal das Erzgebirge, um uns von dort mit der Hangthermik auf nach Pirna zu machen. Leider stellten wir enttäuscht fest, dass es Richtung Erzgebirge eine umfassende Abschattung gab. Kurzerhand wurde ein neues Ziel gesucht, welches in einer günstigen thermischen Umgebung liegen musste. Im Süden sah es aber besser aus.

Also auf nach Süden, kurzentschlossen einigten wir uns auf Burg Feuerstein und flogen in diese Richtung. Erst ging es ganz entspannt, dann auf einmal ging es nicht mehr so gut. Die Thermik wich und es zeigte sich wieder eine große Abschirmung, aber da mussten wir jetzt durch. Mit geringen Arbeitshöhen von 1300 m ging es mühsam voran, kurz vor Fulda erwischten wir einen guten Bart, der uns auf 1800m hoch spülte. Mit dieser Höhe zogen wir westlich an Fulda vorbei und mussten aber dann in der Rhön feststellen, dass unsere Höhe so ziemlich verbraucht war. Bei dem starken Wind mussten wir vor dem Beschränkungsgebiet im Hangflug überleben.  Jetzt musste es schnell gehen. Wir waren tief, das Beschränkungsgebiet leider nah. Per Funk konnten wir aber dann in Erfahrung bringen, dass wir einfliegen konnten. Super, an den Hängen ging es schon mal leicht hoch und nach einigen Suchkehren an der Hangkante kamen wir schließlich über die Kante drüber und konnten danach schnell einen schönen Bart finden. Jetzt wurde das Wetter wieder besser, Cumuli Symphatici erfreuten unser Herz und wir erreichten Arbeitshöhen von fast 2000 m. Über Bamberg holten noch einmal kräftig Höhe, um den Anflug auf Burg Feuerstein zu starten.

Nach fast sechs Stunden Flugzeit kamen wir auf Burg Feuerstein an und wurden dort mit offenen Armen empfangen:  Zwei Piloten mit einem Janus auf Wandersegelflug, das kommt auch dort nicht oft vor. Schnell kamen helfende Hände und ein Lepo und man schleppte uns zu einem schönen Platz mit Strom und allem Drum und Dran. Tobias, der technische Leiter, versorgte uns mit Kabel und allem, was wir brauchten, um die Flugbereitschaft (z.B. Spritkanister zum Ansetzen des Gemisches 1:30) des nächsten Tages sicherzustellen. Vom Tower( Danke Markus!) bekamen wir sogar noch einen Kaffee spendiert, sogar die Landekosten brauchten nicht bezahlt werden. Schnell war eine Unterkunft organisiert, wir wollten nach unserem spartanischen, aber schönen Lager in Waldeck, nun doch einmal gepflegt duschen. In Ebermannstadt fanden wir ein angenehmes und gutes Quartier. Zu unserer Unterkunft, die über eine Stunde Fußmarsch entfernt lag, wurde wir von Claudia, (Verwaltung Feuerstein)  bis vor die Tür gebracht.  Das war total nett und lieb – Herzlichen Dank an das  Team Feuerstein! In Feuerstein war man unserem  Besuch so erfreut, dass man uns dann auch gleich auf die aktuellen News gesetzt hat siehe hier (http://www.edqe.de/home/index.php/de/neuigkeiten.html).  Meinhard und ich  waren beide so von Burg Feuerstein begeistert, dass wir uns beim Flugplatzchef Michael Zistler für einen Kunstfluglehrgang angemeldet haben:  Feuerstein; wir kommen wieder!

Aber alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei und da für Sonntag schlechtes Wetter vorhergesagt war, mussten wir früh los. Die Wettervorhersage für den heutigen Samstag war super und so ermutigt beschossen wir, nicht direkt zurückzufliegen, sondern östlich die Lufträume von Nürnberg zu umfliegen und dann südlich unterhalb der Lufträume von Nürnberg den Weg nach Freiburg zu suchen.

Schnell reihten wir uns am Start ein, - wir haben diesmal unseren Vogel schon am Abend vorher flugfertig gemacht, und warteten auf den Schlepp.

Eine Remo schleppte uns raus und so groß war der Unterschied zur Vampire nicht, war da überhaupt einer? Ich kann es nicht mehr sagen. So gut wie die Thermik auch aussah, kurz nach dem Start hatten wir uns verbastelt und uns blieb nichts anderes übrig als den Motor zu werfen um nicht unterhalb vom Feuerstein auf dem Acker zu liegen...  Es ist schon komisch, immer wenn wir den Motor geworfen hatten, schien die Thermik gnädig zu sein und der Motor war noch nicht mal warm geworden, da wurde er wieder eingefahren.

Hin und her gerissen, welche Wolken gut waren, kamen wir gut und zügig voran. Allerdings wurde es ab Aalen vor uns immer dunkler und düsterer. Noch machten wir Späße über die Segelflieger, die in nur 1 m/s Bärten Höhen machten. Kurz danach kreisten wir dann ebenfalls in Bärten, die nur 0,5 m/s und weniger Höhe gaben. Hauptsache oben bleiben, unsere Flügelnase war mittlerweile schwarz von Insekten. Mir wurde schlagartig bewisst, dass Mückenputzer einen Sinn haben.

Wir basteln uns bei starkem Gegenwind und geringem Steigen über die gesamte Alb, aber hinter Tuttlingen war es aus, nichts mehr mit Thermik. Null und nada. Zum Glück habe wir einen Tiger im Tank, wir fahren unseren Quirl aus und lassen den Tiger los, es brüllt und rüttelt wieder. Wir schaffen es mit etwa 1300 m Höhe kriechender Weise über den Schwarzwald. Die guten thermischen Vorhersagen für den Schwarzwald sind leider doch nicht eingetroffen. Aber wir hatten bis Tuttlingen einen tollen Thermikflug und auch jetzt mit Gerattel sieht es prächtig aus von oben und meine Gedanken hängen den letzten Tagen nach und ich freue mich schon auf den nächsten Wandersegelflug noch bevor dieser Flug zu Ende war.

 

- Stephan -